Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse:

Investition in die Mitarbeitergesundheit

Die DQS GmbH hat das Betriebliche Gesundheitsmanagementsystem (BGM) der Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse (BG ETEM) nach DIN SPEC 91020 zertifiziert. Mit Erteilung des Zertifikates bescheinigt die DQS der Organisation die erfolgreiche Implementierung und Wirksamkeit ihres BGM auf Basis der Norm. Anfang 2018 waren die beiden DQS-Auditorinnen Martina Gräfen-Werr und Cornelia Peter vor Ort, um das BGM des Unternehmens nach den Anforderungen von DIN SPEC 91020 zu auditieren. DQS hat mit Heidi Wegner, Management Sicherheit und Gesundheit bei der BG ETEM über die Zertifizierung gesprochen. 

FRAU WEGNER, WAS HAT DIE BG ENERGIE, TEXTIL, ELEKTRO, MEDIENERZEUGNISSE DAZU BEWOGEN EIN BGM EINZUFÜHREN?

Heidi Wegner: Bedingt durch den technologischen Fortschritt der letzten Jahre wandelt sich unsere Arbeitswelt. Dies wird in weiten Teilen der Gesellschaft vor allem an der Entgrenzung der Arbeit, der Aufgabenverdichtung, sowie einer ständigen Erreichbarkeit erkennbar. Gleichzeitig werden in den kommenden Jahren große Teile unserer Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen altersbedingt in den Ruhestand wechseln. Für uns bedeutet dies, durch eine entsprechende Organisationskultur das Commitment der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen aufzubauen und zu stärken und über betriebliche Maßnahmen die Arbeitsbewältigungsfähigkeit der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen solange wie möglich aufrechtzuerhalten. Für Motivation, Flexibilität und Identifikation mit dem Beruf sind Wohlbefinden und Gesundheit wichtigste Voraussetzungen. Die Geschäftsführung hat dies 2011 zum Anlass genommen, das BGM als Steuerungsinstrument aufzubauen, um die erforderliche Demografiefestigkeit der BG ETEM sicherzustellen. Dabei gilt es Instrumente und Maßnahmen zum BGM zu entwickeln, um letztlich einem vorzeitigen Ausscheiden der im Durchschnitt immer älter werdenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entgegenzuwirken.

WAS SIND DIE ZIELE DES BGM BEI DER BG ETEM?

Wegner: Für uns ist es heute kein reines Steuerinstrument mehr. Vielmehr stellt es eine Möglichkeit dar, die vielfältigen Veränderungsprozesse und Herausforderungen, aber auch die normale Arbeit unter gesundheitlichen Gesichtspunkten mitzugestalten. Es nutzt bewährte Instrumente insbesondere des Personalmanagements, des Arbeits- und Gesundheitsschutzes und der Gesundheitsförderung. Es werden die individuelle Gesundheit und Gesundheitskompetenz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ebenso gefördert wie die Arbeitsorganisation, die Arbeitsumgebung und die Arbeitsprozesse.

WARUM HAT DIE BG ETEM DAS BGM NACH DIN SPEC 91020 ZERTIFIZIEREN LASSEN?

Wegner: Das BGM ist für uns ein ganzheitliches und lernendes System nach dem Prinzip der kontinuierlichen Verbesserung, das sich selbst durch Regelkreise steuert. Ganzheitlich bedeutet, dass alle Maßnahmen, die die Gesundheit und Motivation der Mitarbeitenden fördern und die Wertschöpfungskette sichern, in diesem Managementsystem koordiniert werden. Hierbei steht im Vordergrund immer das Wohl der Mitarbeitenden. Das BGM-System soll die bisherigen Handlungsbereiche, Instrumente und Aktivitäten zur Gesundheitsförderung integrieren, neu ausrichten, ergänzen und weiterentwickeln, so dass bei allen Beteiligten Transparenz über die Strukturen, Maßnahmen und Verantwortlichkeiten im Rahmen des BGM-Systems besteht. Durch die Zertifizierung wurden neue Impulse durch externe Betrachtung gewonnen und Möglichkeiten zur Optimierung dargestellt. Darüber hinaus war es uns wichtig, durch die Zertifizierung darzustellen, dass der Gesundheitsschutz innerhalb der BG ETEM einen hohen Stellenwert hat.

WAS WAREN BEI DER IMPLEMENTIERUNG DES BGM DIE GRÖSSTEN HERAUSFORDERUNGEN?

Wegner: Eine der größten Herausforderungen war, alle einzelnen Prozesse in einer Prozesslandkarte zu erfassen, da wir neben den Kern- und Managementprozessen zahlreiche Unterstützungsprozesse mit Querschnittsfunktionen haben. Eine weitere große Hürde war die Durchführung der Audits vor Ort, weil Hintergrundinformationen fehlten.

WELCHE AUSWIRKUNGEN SIND HEUTE SCHON SPÜRBAR?

Wegner: Durch die Prozessbeschreibungen und das BGM-Handbuch sind den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einzelne Vorgehensweisen transparenter und nachvollziehbarer geworden. Das Handbuch schafft eine hohe Akzeptanz und eine Identifikation mit dem Unternehmen. Es kommen von einzelnen Mitarbeiter auch Verbesserungsvorschläge zu verschiedenen Prozessen, dadurch konnte schon eine Optimierung des Managementsystems erreicht werden. Mitarbeiter bringen sich mehr mit ins Unternehmergeschehen ein.

WAS ERHOFFEN SIE SICH DURCH DIE EINFÜHRUNG UND ZERTIFIZIERUNG FÜR IHRE MITGLIEDSUNTERNEHMEN?

Wegner: Als moderner Unfallversicherungsträger möchten wir hier gerne unserer Vorbildrolle gerecht werden und unsere Mitgliedsbetriebe dazu motivieren, durch ein BGM das Wohlbefinden und die Arbeitsbewältigungsfähigkeit ihrer Belegschaft zu festigen und somit die Attraktivität als Arbeitgeber zu steigern.

 

Über DIN SPEC 91020

Die unter Beteiligung der DQS entstandene Spezifikation DIN SPEC 91020 ist die Basis für ein gesundheitsgerechtes und leistungsförderndes Arbeitssystem. Durch die bewusste Steuerung und Einbindung bisher voneinander isolierter Einzelmaßnahmen in ein Managementsystem sorgt die Spezifikation dafür, dass die Gesundheit Ihrer Mitarbeiter langfristig gefördert und erhalten werden kann. Handlungsfelder finden sich im Arbeits- und Gesundheitsschutz (z. B. Arbeitsumgebung), in der betrieblichen Gesundheitsförderung (z. B. Ernährung) und im Führungsstil. Die Spezifikation ist zertifizierbar und gut in bereits bestehende Managementsysteme integrierbar.

BG ETEM zertifiziert nach DIN SPEC 91020