Die lang ersehnte zwangsläufige Notwendigkeit

High Level Structure (HLS)

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HLS: Die lang ersehnte zwangsläufige Notwendigkeit

Jetzt sind sie vollzählig: Mit der Veröffentlichung der Energiemanagementnorm ISO 50001:2018 Ende August ist nun auch die letzte der „großen“ ISO-Managementnormen mit der gemeinsamen Grundstruktur, der sog. „High Level Structure“ (HLS) ausgestattet worden. Die HLS wurde erstmals im Jahr 2012 eingesetzt und ist das Grundgerüst aller überarbeiteten oder neu herausgegebenen ISO-Managementsystemnormen. Die Entwicklung dieser Struktur gilt seither als Meilenstein für die Normierung von Managementsystemen.

Als im Jahr 2013 die Informationssicherheitsnorm ISO 27001 erschien, war diese zwar die erste der bedeutenderen ISO-Normen, die auf der HLS basierte. Aber erst mit der großen Revision von ISO 9001 (Qualität) und ISO 14001 (Umwelt) im Jahr 2015 wurde die HLS auch wirklich einem breiteren Anwenderkreis bekannt. Und auch wenn es anfangs einige skeptische Kommentare gab: Nachdem die Umstellungsfrist auf ISO 9001:2015 und ISO 14001:2015 seit etwa einem Vierteljahr abgelaufen ist, kann man sagen: Die gemeinsame Grundstruktur hat sich bewährt, und zwar uneingeschränkt.

Besonders für Unternehmen mit einem integrierten Managementsystem ist diese Neuerung von großem Nutzen. Der kommt allerdings nur dann zum Tragen, wenn die grundlegende und übergreifende Anforderung aller angewendeten Regelwerke erfüllt wird: nämlich die vollumfängliche Integration der jeweiligen Normanforderungen in das bestehende Managementsystem und damit in die allgemeinen Geschäftsprozesse eines Unternehmens.

Die HLS ist dabei nicht einfach nur eine äußere Struktur, die lediglich identische Grundanforderungen, Textbausteine und Begriffe einführt. Es ist vor allem auch der Inhalt dieser Grundanforderungen, der die Integration in das Unternehmen praktisch unausweichlich macht, oder – positiv ausgedrückt – intensiv fördert. Stichwörter sind: Kontext der Organisation, Führung und Verpflichtung, interessierte Parteien, Prozessorientierung und der risikobasierte Ansatz.

Zwar hatten die einschlägigen Managementsystemnormen ISO 9001, ISO 14001, ISO 27001 und ISO 50001 bereits früher gewisse Gemeinsamkeiten in Aufbau und Inhalt vorzuweisen. Aber erst mit der HLS wurde eine Struktur geschaffen, die die Integration von Anforderungen unterschiedlicher Regelwerke bis in die letzten Winkel eines Unternehmens wesentlich erleichtert, wenn nicht überhaupt erst ermöglicht.

Besonders beim Thema Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit (SGA) sollte sich das in naher Zukunft zeigen. Hier dominierte seit vielen Jahren die britische Arbeitsschutznorm BS OHSAS 18001, zuletzt im Jahr 2007 überarbeitet, den internationalen Markt. Aber auch wenn sich der Standard in gewisser Weise an den alten Versionen der gängigen ISO-Managementsystemnormen orientiert, was in der Branche übrigens stets als positives Merkmal hervorgehoben wurde, fristet das Thema SGA in den meisten Unternehmen mit einem SGA-Managementsystem doch ein eher isoliertes Dasein, als dass es zum Nutzen aller Beteiligten ausreichend in die Geschäftsprozesse integriert wäre. BS OHSAS 18001 läuft aus und wird von der im Jahr 2018 erstmals erschienenen SGA-Norm ISO 45001 mittelfristig ersetzt werden – die HLS wird der überfälligen Integration und damit auch der Bedeutung von SGA-Themen für ein Unternehmen einen deutlichen Schub verleihen.

Frank Graichen
Leiter Auditorenmanagement & Kompetenz
frank.graichen(at)dqs.de