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TAPA – Standard für mehr Sicherheit in der Lieferkette

Frachtkriminalität ist eine der größten Herausforderungen in der Lieferkette für Hersteller wertvoller Produkte mit hohem Risiko und deren Logistikdienstleister. Jedes Jahr verschwinden auf dem Transportweg allein in Europa Waren im Wert von 8 bis 10 Mrd. Euro. Damit sich das auch lohnt, konzentrieren sich gut organisierte Kriminelle auf Markenprodukte und hochwertige Waren. Ziel solcher Attacken sind z.B. Lastkraftwagen, aber auch Lagerhäuser und Frachthöfe. Welche Möglichkeiten haben potenziell Betroffene mit den TAPA Standards, diesem Treiben entgegenzusetzen?
Interview © iStock TAPA Standards - Zertifizierung durch die DQS

Überfälle auf LKW-Ladungen werden heute überwiegend im Auftrag durchgeführt. Das Hauptrisiko dabei ist der Mensch. Praktisch alle größeren Überfälle beruhen auf Insiderinformationen. Deshalb hat sich die internationale Vereinigung TAPA zur Aufgabe gemacht, derartige Verluste in der Lieferkette deutlich zu reduzieren.

Was ist TAPA?

TAPA (Transported Asset Protection Association) ist eine einzigartige internationale Vereinigung für mehr Sicherheit in der Lieferkette. Mit mehr als 600 Mitgliedern vereint TAPA sowohl viele der weltweit führenden Marken-Erzeuger als auch deren Logistik- und Transportunternehmen. Der gemeinsame Jahresumsatz liegt bei mehr als 900 Milliarden US-Dollar.

Zu den Mitgliedern der TAPA gehören international agierende Unternehmen aus den Bereichen Technologie, Pharma, Automotive, Bekleidung, Schuhe, Kosmetik, Hygiene, Lebensmittel, Getränke, Möbel, Haushaltsgeräte und Metall sowie deren Logistikpartner.

TAPA Standards – weltweit anerkannt

TAPA hat weltweit anerkannte Standards für die Sicherheit hochwertiger Güter innerhalb der Lieferkette entwickelt. Die drei Standards beruhen auf einem systematischen und risikobasierten Ansatz mit ganzheitlicher Sicht auf die Lieferkette. Ihre wesentlichen Merkmale sind:

  • modernste Sicherheitsverfahren und Technik
  • intensive Schulung und Bewusstseinsbildung
  • Benchmark
  • enge Zusammenarbeit mit Behörden
  • frühzeitige Identifizierung von Sicherheitsrisiken
  • Implementierung von Sicherheitsmaßnahmen
  • kontinuierliche Weiterentwicklung der Sicherheitsstandards

Ein besonders effektives Werkzeug ist der so genannte „Incident Information Service (IIS)“. Dieser Service erfasst kontinuierlich Daten von Vorfällen und stellt sie den Mitgliedern zur Verfügung. Durch die Nutzung der aktuellen Cargo-Crime-Informationen können gefährliche Orte umgangen, Güter während des Transportes geschützt und gestohlene Ware gemeldet und aufgefunden werden.

Statistiken belegen, dass TAPA-Mitglieder – im Vergleich zu anderen Unternehmen – Übergriffe und Fracht-Kriminalität messbar reduzieren. Im Schnitt um 48%!

TAPA – drei Standards für mehr Sicherheit in der Lieferkette

FSRFacility Security Requirements

Die Facility Security Requirements (FSR) stellen Mindeststandards dar. Diese gelten speziell für die sichere Lagerung oder die beförderungsbedingte Zwischenlagerung während des Transports innerhalb der Lieferkette.

Bei der Entwicklung dieses Standards hat TAPA die großen Unterschiede anerkannt, wie die Lagerdienste global, regional und sogar innerhalb eines Unternehmens bereitgestellt werden. Die FSR können für alle oder einen Teil der von einem Logistikdienstleister erbrachten Dienstleistungen gelten. Abhängig von der Komplexität und Größe der Lieferkette erreicht man die Einhaltung der TAPA-Standards durch einen einzigen Logistikdienstleister oder mehrere Dienstleister und qualifizierte Subunternehmer. Eine Zertifizierung nach TAPA ist sowohl für einzelne als auch mehrere Standorte im Verbund möglich.

TSR – Trucking Security Requirements

Die Trucking Security Requirements (TSR) konzentrieren sich ausschließlich auf den Straßentransport. Die TSR stellen Mindeststandards für den Transport von Produkten auf der Straße innerhalb einer Lieferkette dar.

Die TSR-Richtlinien können für Folgendes gelten:

  • Fracht, die gemäß TAPA TSR-Anforderungen transportiert werden muss.
  • Geleaste oder im Besitz befindliche Fahrzeuge, Anhänger oder Container, die für den Transport von Fracht auf einem oder mehreren Straßensegmenten verwendet werden.
  • Fahrzeuge, Anhänger oder Container, die von einem Unternehmen betrieben oder an Subunternehmer vergeben werden und für den Transport von Fracht auf einem oder mehreren Straßensegmenten verwendet werden.

Wesentliche Vorteile einer TAPA TSR-Zertifizierung sind die Implementierung von Sicherheitsmaßnahmen durch den risikobasierten Ansatz und die damit einhergehende systematische Reduzierung von Haftungsrisiken.

Beide oben genannten Standards wurden überarbeitet und um neue Möglichkeiten ergänzt. Die überarbeiteten Facility Security Requirements (FSR 2020) sowie Trucking Security Requirements (TSR 2020) sind zum 1. Juli 2020 in Kraft getreten.

Für mehr Sicherheit in der Lieferkette

Die TAPA-Standards sind eine gute Wahl, wenn es um mehr Frachtsicherheit geht. Mit welchem Zertifizierungsaufwand Sie rechnen müssen, klären wir gerne in einem gemeinsamen Gespräch.

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PSR – Parking Security Requirements

Im Jahr 2018 hat TAPA die Parking Security Requirements (PSR) veröffentlicht. Ziel ist es, den zunehmenden Frachtdiebstählen auf ungesicherten Parkplätzen entgegenzuwirken und mehr Frachtsicherheit zu erreichen.

Goods at rest are goods at risk!

Thorsten Neumann, CEO und Präsident TAPA EMEA

Ferner wird die Absicht verfolgt, die Anzahl der sicheren Parkplätze zu erhöhen. Nur so können Güter, Fahrzeuge und Fahrer geschützt werden. Mit dem Secure Parking Online Tool können die Mitglieder sichere und zertifizierte Standorte identifizieren und darauf aufbauend die Transportroute entlang der nächstgelegenen PSR-Parkplätze festlegen.

Vier Fragen an Thorsten Neumann

Der CEO und Präsident TAPA EMEA Thorsten Neumann im Interview

Herr Neumann, die überarbeiteten TSR- und FSR-Standards sind Mitte 2020 in Kraft getreten. Welche wesentlichen Vorteile und Chancen bieten sie den Unternehmen und deren Kunden?

Neumann: Alle drei Jahre werden unsere FSR- und TSR-Standards grundsätzlich durch ein globales Team mit mehr als 400 Experten aufgrund neuester Technologien und Risikozahlen aus unserem Incident Information Service (IIS) überarbeitet. Ein sogenanntes Control Board prüft dann diese Standards, um alle kleinen Fehler und auch Ungenauigkeiten zu beseitigen. Der Grad zwischen Technik und Mensch ist in all unseren Standards wichtig, sodass auch neben den Technologien weiterhin definierte Verfahren, Schulungen und Policies unverzichtbar sind, wenn es um die Risikoreduzierung in der Supply Chain geht.

Der überarbeitete FSR-Standard ermöglicht inzwischen Unternehmen mit mehreren Standorten, diese in einer sogenannten Multi-Site-Zertifizierung unter einem TAPA-Zertifikat zu vereinen. Berücksichtigung finden in dem neuen TSR-Standard jetzt ebenfalls Last-Mile-Deliveries durch Kleintransporter sowie der Straßentransport von See-Containern und Multimodale Transporte. Für uns war es wichtig, diese Bereiche der Supply Chain ebenfalls mit unseren Standards abzudecken.

Inzwischen ist es möglich, dass sich auch LKW-Parkplatzbetreiber nach den Parking Security Requirements 2018 zertifizieren lassen können. Welche Rolle spielen sichere Parkplätze innerhalb der Lieferkette und wie sehen Sie die aktuelle Entwicklung in Ihrer Region?

Sichere Parkplätze spielen in der Supply Chain eine bedeutende Rolle. Die meisten Überfälle passieren, wenn der LKW zur Ruhe kommt. Nicht umsonst heißt es „Goods at rest are goods at risk“. TAPA ist in diesem Bereich seit Jahren aktiv. Wir versuchen aktuell, die Mutual Recognition, also die gegenseitige Anerkennung mit dem Europäischen Kommissionsstandard SSTPA (Study on safe and secure parking places for trucks) zu erlangen .

Für unser PSR-Programm haben wir in der Vergangenheit einen sehr hohen Zuspruch erhalten. Aufgrund der niedrigen Margen für Parkplätze ist es jedoch für die Parkplatzbetreiber aktuell nicht einfach, entsprechende Sicherheitsvorkehrungen gemäß des PSR-Standards zu implementieren. Demzufolge wurden in den jeweiligen Regionen Teams mit sogenannten Ambassadors gegründet. Sie sollen den Parkplatzbetreibern die Bedeutung dieses Sicherheitsstandards für unsere Mitglieder näherbringen. Über den Incident Information Service (ISS) sowie über das Secure Parking Place Tool werden Mitglieder der TAPA informiert, wo sich entsprechende Sicherheitsparkplätze befinden.

Welchen Zusammenhang sehen Sie zwischen der aktuell steigenden Anzahl von Ladungsdiebstählen und der momentanen weltweiten Pandemie?

Die Supply Chain ist in den letzten Jahren relativ stabil geblieben. Durch die Pandemie hat sich jedoch vieles geändert. Es wurden zum Teil Grenzkontrollen und Straßensperren eingerichtet. Flughäfen und Häfen wurden mit Lockdowns konfrontiert, viele kleine Flughäfen wurden gar nicht geöffnet. Die großen Flughäfen sehen sich demzufolge mit einem erhöhten Cargo-Aufkommen konfrontiert, sodass es in Summe zu einer Verschiebung des Risikos und einem Anstieg von Ladungsdiebstählen gekommen ist. Weiterhin ist aufgrund des wirtschaftlichen Schadens mit einhergehendem Anstieg der Arbeitslosenzahlen in Ost- und Südeuropa die Akzeptanz für die Kriminalität gestiegen.

Die Impfstoff-Verteilung wird die Logistikunternehmen vor große Aufgaben stellen. Insbesondere Pharmaprodukte waren in der Vergangenheit auch immer wieder Ziel organisierter Kriminalität. Wo sehen Sie in Bezug auf die Sicherheit in der Lieferkette die größten Herausforderungen, und welchen Beitrag können nach den TAPA-Standards zertifizierte Unternehmen leisten ?

Aus meiner Sicht ist die Impfstoff-Verteilung die größte Herausforderung in der Geschichte der Logistik. Es gab noch nie ein so großes Volumen einer Produktgruppe, welches in so kurzer Zeit über den gesamten Globus befördert werden muss. Der Impfstoff mit seinem hohen Warenwert ist aufgrund der zu erzielenden hohen Marge auf dem Schwarzmarkt höchst attraktiv für die organisierte Kriminalität. Jedem muss klar sein, dass ein LKW mit einem Covid19-Impfstoff mehrere Millionen Euro wert sein wird. Wenn ein LKW mit den Impfstoffen gestohlen wird, dann werden die Produkte im osteuropäischen Markt verkauft.

Durch die Implementierung unserer Standards können die Unternehmen das Risiko auf den kleinsten Level bekommen. Alle Firmen, die unsere Standards umgesetzt und wirksam implementiert haben, konnten die Verlustzahlen um bis zu 80 Prozent reduzieren. Das zeigen uns die Erfahrungen aus den letzten 20 Jahren. Ein Erfolg, der für sich spricht!

Vielen Dank, Herr Neumann, für das interessante Gespräch!

TAPA – die Standards und was die DQS für Sie tun kann

Die DQS ist als „Indipendent Audit Body“ (IAB)  durch die TAPA für die Durchführung von Audits und Zertifizierungen nach den Standards FSR, TSR und PSR zugelassen. Im Zertifizierungsaudit werden sicherheitsrelevante Bereiche nach eindeutigen Kriterien bewertet. Entspricht Ihr Unternehmen allen Anforderungen, erhält es von der DQS ein Zertifikat mit einer Gültigkeit von 3 Jahren. Die ausgestellten Zertifikate sind bei der TAPA mit einer Trackingnummer registriert, um Nachverfolgbarkeit und Transparenz sicherzustellen.

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Möglichkeiten einer TAPA-Zertifizierung

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Als einer der führenden Zertifizierer für Managementsysteme und Prozesse weltweit verfolgen wir die aktuellen Herausforderungen auf dem Transportmarkt und bieten Lösungen für alle Logistikbereiche. Akkreditierungen und Zulassungen für alle maßgebenden Regelwerke stehen weltweit für Kompetenz und Zuverlässigkeit. Neben den klassischen Managementsystemnormen wie ISO 9001 (Qualität), ISO 14001 (Umwelt) oder ISO 50001 (Energie) liegt der Schwerpunkt u.a. auf den vielfältigen Standards für die Logistikbranche, auch in Kombination. So z.B. Audits gemäß GDP-Richtlinie, Qualified Carrier, TAPA oder SQAS für Chemietransporte.

Expertise und Vertrauen

Weltweit sind über 2.500 Auditoren für die DQS im Einsatz. Sie alle verbindet das gleiche Verständnis und Anspruchsniveau, sie überzeugen durch langjährige Praxiserfahrung, Sozial- und Methodenkompetenz. Aufgrund des bedeutenden Anwendungsbereiches achtet die DQS streng darauf, nur branchenerfahrene, und durch TAPA zugelassene Auditoren im Zertifizierungsverfahren einzusetzen.

Sollten Sie Fragen an den Autor, zum Inhalt oder unseren Dienstleistungen haben, senden Sie uns gerne eine E-Mail an: dialog@dqs.de.