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Qualitätsmanagement in der Pflege

Während Pflegeeinrichtungen immer mehr das Personal ausgeht, nehmen die Erwartungen an die Pflegequalität zu. Ein zertifiziertes Qualitätsmanagementsystem nach ISO 9001 kann helfen, diesen Widerspruch zu entschärfen. In unserem Leitfaden „ISO 9001 in der Pflege“ haben wir Ihnen Praxisbeispiele zum Download zusammengestellt.
© Fotolia Qualitätsmanagement in der Pflege

Im Gesundheitswesen, ganz besonders in der Pflege, herrscht ein großer Mangel an Fachpersonal – von insgesamt etwa 35.000 offenen Stellen ist offiziell die Rede (Stand: 2018). Das Personaldefizit durch den persönlichen Einsatz der Pflegekräfte oder gar Weglassen einzelner Pflegeleistungen auszugleichen, kann keine Lösung sein. Denn: Die Anforderungen an die Qualität der Pflege nehmen von allen Seiten zu. Dabei geht es nicht nur um die Ansprüche der zu pflegenden Menschen und die ihrer Angehörigen, sondern auch um die Erfüllung gesetzlicher Vorgaben.

Warum ein Qualitätsmanagement für die Pflege?

Ein Qualitätsmanagementsystem (QMS) auf der Basis der internationalen Norm ISO 9001 ersetzt zwar kein Personal – es schafft mit der systematischen und fortlaufenden Verbesserung des Pflegeprozesses jedoch ein Umfeld, in dem Patienten und Pflegepersonal gleichermaßen profitieren, und damit die gesamte Einrichtung. Die Prozessgestaltung sieht den beständigen Abgleich der Ergebnisse mit den Absichten und Zielen vor. Ein weiteres wesentliches Kennzeichen ist die Fehlervermeidung. Potentielle Risiken aber auch Chancen werden in die Betrachtung einbezogen und erforderliche Maßnahmen abgeleitet. ISO 9001 ist eine anerkannte Qualitätsmanagementnorm, die sich auf alle Bereiche des Wirtschaftens konzentriert und somit auch für Dienstleistungsunternehmen von Vorteil ist. Sie enthält eine Vielzahl von Anforderungen, die organisationsspezifisch umzusetzen sind.

Welche Vorteile bietet ISO 9001?

  • systematische und fortlaufende Verbesserung des Pflegeprozesses
  • schnelles Erkennen von Chancen und Risiken
  • systematisches Ermitteln und Steuern interner und externer Einflussfaktoren
  • verbessertes Qualitätsbewusstsein bei allen Beteiligten
  • hohe Kundenzufriedenheit (Ergebnisqualität)
  • motiviertes Personal und Vermeidung von Fehlern / Reduzierung der Kosten
  • hohe Transparenz nach innen und außen
  • großes Maß an Vertrauen und Loyalität bei allen interessierten Parteien
  • ggf. entscheidende Vorteile bei der Kreditvergabe

Qualitätsmanagement in der Pflege – Umsetzungsbeispiele

Die Anforderungen von ISO 9001 können, zugeschnitten auf branchenspezifische Bedingungen und Bedürfnisse, in jedem Unternehmen unabhängig von seiner Größe umgesetzt werden. So gibt es auch für den Pflegebereich eine Reihe von Aspekten, die Einrichtungen branchenspezifisch beachten müssen.

Leitfaden

ISO 9001:2015 in der Pflege –
Umsetzungsbeispiele und mögliche Nachweise

  • Ausgewählte Normanforderungen und die mögliche Umsetzung
  • Auditschwerpunkte und mögliche Nachweise
  • Welchen Nutzen bietet ISO 9001?
Jetzt herunterladen!

Branchenerfahrene Auditoren der DQS haben deshalb ausgewählte Normanforderungen von ISO 9001 interpretiert, Auditschwerpunkte extrahiert und möglichen Nachweisen gegenübergestellt. Beispiele für die praktische Umsetzung machen den Nutzen speziell für Pflegeeinrichtungen deutlich.

Revision von ISO 9001 mit neuen Anforderungen

Eine Reihe von Pflegedienstleistern hat bereits in der Vergangenheit mit einem nach ISO 9001 zertifizierten Qualitätsmanagementsystem gearbeitet und gute Erfolge erzielt. Mit der Revision von 2015 hat die Norm jedoch noch einmal einen ordentlichen Schub nach vorn erhalten. Einrichtungen mit einem gültigen Zertifikat profitieren bereits davon. Pflegeeinrichtungen, die bislang über kein Qualitätsmanagement verfügen, sollten sich jetzt – durchaus auch mit Blick auf ihre Wettbewerbsfähigkeit – mit ISO 9001:2015 auseinandersetzen. Denn die Erfüllung der neuen Anforderungen bietet verschiedene Möglichkeiten, sich neu auszurichten und Pflegeprozesse weiterzuentwickeln.

ISO 9001:2015 legt viel Wert auf das Verständnis über die Zusammenhänge in einer Organisation. So wird deren Umfeld nach innen und außen näher betrachtet, die Norm nennt das den „Kontext der Organisation“ kennenlernen. Damit verbunden sind auch die so genannten „relevanten interessierten Parteien“, also Anspruchsgruppen, die einen Einfluss auf die Erbringung der Pflegedienstleistung haben (können), z. B. Bewohner, Angehörige, Behörden und sonstige Partner. Eine wesentliche Neuerung, die die Pflegedienstleistung spürbar verbessern kann, ist die Prozessorientierung, die u. a. auf die Anwendung von Leistungsindikatoren und die Ermittlung geeigneter Kennzahlen baut.

Managen von Qualität Verpflichtung der Pflegeleitung

Sehr bedeutsam ist die verstärkte Einbindung der obersten Leitung in die Verantwortung für das Qualitätsmanagementsystem und dessen Ergebnisse. Es rückt auf diese Weise wesentlich stärker ins Bewusstsein der Einrichtungsleitung, z. B. mit Blick auf benötigte Ressourcen – Stichwort: Verfügbarkeit von Material und von Pflegepersonal. Auch Leitbilder, Qualitätspolitik und Qualitätsziele müssen von der obersten Leitung initiiert werden. Ein wichtiges Thema von ISO 9001 in der Pflege ist der Umgang mit Risiken und Chancen, z. B. hinsichtlich Bewohnerrisiken. Schließlich hat sich auch im Bereich der Dokumentation einiges getan. Die Anforderungen unterscheiden nun je nach Thema zwischen Aufrechterhaltung und Aufbewahrung von „dokumentierter Information“ – für die Pflegedokumentation eine wichtige Verbesserung.

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