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2019: Energieaudit oder ISO 50001?

Das Energiedienstleistungs-Gesetz (EDL-G) verpflichtet seit Dezember 2015 alle Nicht-KMU, einen Nachweis über die Reduzierung ihres Energieverbrauchs zu erbringen. Für alle, die sich damals für das Energieaudit gemäß EN 16247-1 entschieden haben, steht nun ein Wiederholungsaudit an – oder ein Umstieg auf ISO 50001:2018.
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Zur Erfüllung der EDL-G-Anforderungen standen schon damals mehrere Varianten zur Wahl: Neben der Durchführung eines Energieaudits gemäß EN 16247-1 bestand auch die Möglichkeit, ein zertifiziertes Energiemanagementsystem gemäß ISO 50001, alternativ auch ein Umweltmanagementsystem gemäß EMAS nachzuweisen. Zur Aufrechterhaltung der ISO 50001-Zertifizierung erfolgen regelmäßige Überwachungsaudits (Rezertifizierung alle drei Jahre), für die Validierung Ihrer EMAS-Umwelterklärung sind Überprüfungsintervalle festgelegt und EN 16247-1 verlangt nach vier Jahren ein richtlinienkonformes Energieaudit. Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) kontrolliert jährlich stichprobenartig, ob die Unternehmen ihrer gesetzlichen Verpflichtung nachgekommen sind.

Energieaudit als Momentaufnahme

Nicht wenige Unternehmen entschieden sich vor vier Jahren für das Energieaudit – teils wegen des zeitlich wie finanziell geringeren Aufwands, teils auch wegen der nachgeschobenen Fristverlängerung. Vor allem energieintensiv agierende Unternehmen sollten sich mit Blick auf das anstehende, wiederholende Energieaudit jedoch die Frage stellen, ob die ehemals als einfacher und billiger eingeschätzte Lösung „Energieaudit“ auf lange Sicht die bessere Wahl ist, um die Energieeffizienz signifikant zu erhöhen und damit den Energieverbrauch samt Kosten dauerhaft zu senken.

Denn ein Energieaudit gemäß EN 16247-1 liefert genau genommen nur eine Momentaufnahme, eher gedacht als Leitfaden für eine energetische Bewertung, der konkrete Maßnahmen folgen sollten. Es wird aber keine fortlaufende Verbesserung mit nachhaltiger Wirkung auf die Managementebene initiiert. Das bedeutet jedoch nicht, dass ein Energieaudit für jedes Unternehmen die schwächere Lösung ist. Für solche mit relativ geringen Energiekosten und überschaubaren Verbrauchsstrukturen (z.B. wenig Standorte) kann das Energieaudit auch weiterhin die bessere Lösung sein.

ISO 50001:2018 – die nachhaltige Managementlösung

ISO 50001 legt Anforderungen für die Einführung, Umsetzung und Verbesserung eines Energiemanagementsystems (EnMS) fest. Mithilfe des systematischen Managementansatzes wird dem Unternehmen die Möglichkeit gegeben, eine fortlaufende Verbesserung der Energieeffizienz und des Energiemanagementsystems zu verfolgen. Die international anerkannte Norm gilt für jede Organisation, unabhängig von Typ, Größe, Komplexität, geografischer Lage oder den angebotenen Produkten und Dienstleistungen. Anhang A enthält Leitlinien zur Verwendung dieses Dokuments. Anhang B enthält einen Vergleich der aktuelle Version zur Vorgängerversion.

Welche Vorteile bietet ISO 50001?

  • PDCA-Zyklus mit fortlaufender Verbesserung
  • gemeinsame Grundstruktur aller ISO-Managementsystemnormen (High Level Structure)
  • sehr gute Integration in bestehende ISO-Managementsysteme
  • Berücksichtigung interner und externer Themen mit Blick auf die energiebezogene Leistung
  • Prozessorientierung
  • Betrachtung von Risiken und Chancen
  • Hervorheben der Verantwortung und Beteiligung der obersten Leitung für das Energiemanagementsystem
  • Nutzung von steuerlichen Anreizsystemen möglich

Whitepaper ISO 50001 – EDL-G

  • Gesetzliche Anforderungen
  • Welche Unternehmen sind betroffen?
  • Was fordert das BAFA?
  • Mögliche Auditmethoden
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Welche Verantwortung hat die Unternehmensleitung?

Gerade die Verantwortung der obersten Leitung ist für ein wirksames Managementsystem besonders wichtig: Denn es geht dabei vor allem um die

  • Unterstützung bei der Einführung von (energiebezogenen) Verbesserungsprojekten
  • Erhöhung der Akzeptanz und der Effektivität des EnMS
  • Bereitstellung von Ressourcen, z.B. für effizientere Maschinen und Anlagen
  • sinnvolle Verteilung von Rollen und Befugnissen etc.

Wie groß ist der Aufwand für einen Umstieg?

Der Umstieg auf ISO 50001 ist mit der Implementierung und Zertifizierung eines EnMS verbunden, der Aufwand hängt vor allem von der Komplexität der energetischen Situation, der Anzahl der Standorte und den allgemeinen Voraussetzungen des Unternehmens ab. Existiert bereits ein zertifiziertes Managementsystem, z.B. nach ISO 9001 und/oder ISO 14001, müssen quasi „nur noch“ die energiespezifischen Anforderungen integriert werden.

Fazit

Für EDL-G-betroffene Unternehmen mit einfacher Energiestruktur und geringem Energieverbrauch reicht ein Energieaudit nach EN 16247-1 aus. Jene mit komplexerer Energiestruktur und/oder vielen Standorten sollten jetzt wegen des perspektivisch wesentlich höheren Nutzens einen Umstieg auf ISO 50001 überdenken. Zertifizierte Unternehmen können durch die HLS alle Vorteile bereits vorhandener Strukturen nutzen.