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Energieaudit oder ISO 50001 – was macht Sinn?

Das Energiedienstleistungs-Gesetz (EDL-G) ist im April 2015 in Kraft getreten. Seitdem verpflichtet es alle Nicht-KMU (kleine und mittlere Unternehmen), einen Nachweis über die Reduzierung ihres Energieverbrauchs zu erbringen. Für alle Unternehmen, die sich damals für ein Energieaudit gemäß EN 16247-1 entschieden haben, steht alle 4 Jahre ein Wiederholungsaudit an.
© iStock Energieaudit oder ISO 50001

Erfüllung gesetzlicher Anforderungen

Das EDL-G dient der Umsetzung der Europäischen Energieeffizienzrichtlinie 2012/27/EU, die alle Mitgliedsstaaten der EU zu konkreten Maßnahmen in Bezug auf eine Steigerung der Energieeffizienz verpflichtet. Nach dem EDL-G sind alle Unternehmen ab einer bestimmten Größe und jeder Branche
zur Erfüllung der Anforderungen des Energiedienstleistungsgesetzes verpflichtet. Dafür stehen drei Varianten zur Wahl.

So besteht neben der Durchführung eines Energieaudits gemäß EN 16247-1 auch die Möglichkeit, ein zertifiziertes Energiemanagementsystem (EnMS) gemäß der internationalen Norm DIN EN ISO 50001 oder alternativ auch ein Umweltmanagementsystem gemäß EMAS nachzuweisen.

Zur Aufrechterhaltung der ISO 50001-Zertifizierung erfolgen jährliche Überwachungsaudits, die Rezertifizierung erfolgt alle drei Jahre. Für die Validierung Ihrer EMAS-Umwelterklärung sind regelmäßige Überprüfungsintervalle festgelegt. EN 16247-1 wiederum verlangt nach vier Jahren ein richtlinienkonformes Energieaudit. Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) kontrolliert jährlich stichprobenartig, ob die Unternehmen ihrer gesetzlichen Verpflichtung nachgekommen sind.

Als KMU gelten nach Definition der EU-Kommission Unternehmen mit weniger als 250 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von bis zu 50 Millionen Euro beziehungsweise einer Bilanzsumme von höchstens 43 Millionen Euro. 

Europäische KMU-Definition zukunftsfest machen„, BDI – Bundesverband der Deutschen Industrie e.V. 

Wer ist vom EDL-G betroffen?

Betroffen sind alle Nicht-KMU, und zwar unabhängig von ihrer Energie-Intensität, also auch Dienstleister. Nach der offiziellen KMU-Definition müssen folgende Kriterien erfüllt sein, damit das EDL-G greift:

  • Mitarbeiteranzahl ab 250 Personen und Jahresumsatz über 50 Mio. Euro
  • Mitarbeiteranzahl ab 250 Personen und Jahresbilanzsumme über 43 Mio. Euro
  • öffentlich kontrollierte Organisationen, deren Unternehmensanteile oder Stimmrechte zu mindestens 25 % von einer staatlichen Stelle oder Körperschaft des öffentlichen Rechts kontrolliert werden. Dies gilt unabhängig von der Anzahl der Mitarbeiter und/oder der Höhe des Jahresumsatzes oder der Jahresbilanzsumme.

Zahlen und Fakten: 50.000 Unternehmen sind seit 2015 hierzulande laut Schätzungen der Bundesregierung zum Energieaudit verpflichtet. 10% ihrer Energiekosten können Betriebe dank organisatorischer Maßnahmen nach Einführung eines Energiemanagements sparen. 25% Endenergieeinsparung können Unternehmen durch investive Maßnahmen erreichen. 75% der Betriebe sind mit den Energieauditprozessen insgesamt zufrieden.

Energieaudit und Energiemanagement in Unternehmen„, Deutsche Energie-Agentur GmbH (dena)

Energieaudit als Momentaufnahme

Nicht wenige Unternehmen entschieden sich im Dezember 2015 für das Energieaudit. Dies geschah teils wegen des zeitlich wie finanziell geringeren Aufwands, teils auch wegen der nachgeschobenen Fristverlängerung. Andererseits aber sollten sich allem energieintensiv und klimabewusst agierende Unternehmen mit Blick auf ein anstehendes, wiederholendes Energieaudit jedoch Fragen stellen:

  • Ist die ehemals als einfacher und kostengünstiger eingeschätzte Lösung „Energieaudit“ auf lange Sicht die bessere Wahl?
  • Kann so die Energieeffizienz in der Organisation signifikant erhöht werden?
  • Kann der Energieverbrauch samt Kosten dauerhaft gesenkt und ein nachhaltiger Beitrag zum Klimaschutz geleistet werden?
ISO50001 - EDLG

 ISO 50001 – EDL-G

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  • Gesetzliche Anforderungen
  • Welche Unternehmen sind betroffen?
  • Was fordert das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA)?
  • Mögliche Auditmethoden
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Was wird bei einem Energieaudit geprüft?

Die Anforderungen an Energieaudits sind eher statisch. Der Schwerpunkt liegt vor allem auf

  • aktuellen, gemessenen und belegbaren Betriebsdaten zum Energieverbrauch und zu den Lastenprofilen für Strom
  • dem Energieverbrauchsprofil von Gebäuden/Gebäudegruppen, Betriebsabläufen und Anlagen
  • der Lebenszyklus-Kostenanalyse: aus der Abbildung der Gesamtenergieeffizienz müssen sich wesentliche Verbesserungsmöglichkeiten ableiten lassen

Ein Energieaudit nach EN 16247-1 liefert also genau genommen nur eine Momentaufnahme. Es ist eher als Leitfaden für eine energetische Bewertung gedacht, der konkrete Maßnahmen folgen sollten.

Es gibt keinen PDCA-Zyklus, weshalb auch kein Prozess zur fortlaufenden Verbesserung mit nachhaltiger Wirkung auf die Managementebene angelegt ist. Es stellt sich deshalb die Frage, ob ein Energieaudit gemäß EN 16247-1 für eine langfristig wirksame Senkung des Energieverbrauchs respektive eine deutliche Erhöhung der Energieeffizienz und damit auch zur effektiven Senkung der Energiekosten in jedem Fall eine angemessene Lösung darstellt.

Energieaudit – für wen?

Das bedeutet allerdings nicht, dass ein Energieaudit nach EN 16247-1 grundsätzlich die schlechtere Wahl wäre. Vor allem für Unternehmen,

  • deren Energiekosten nur einen überschaubaren Anteil an deren Gesamtkosten ausmachen,
  • die wenig komplexe Verbrauchsstrukturen aufweisen
  • und mit einer geringen Anzahl von Standorten auskommen,

kann das Energieaudit auch weiterhin die bessere Lösung sein. Wenn aber ein Energieaudit zur Wiederholung ansteht, sollten Unternehmen, bei denen das Gegenteil der Fall ist und die dazu Wert auf eine ausgereifte Managementstruktur legen, über einen Umstieg auf ISO 50001:2018 nachdenken.

Energie effizient managen: ISO 50001

Energie und Kosten sparen geht Hand in Hand – jedenfalls, wenn Sie über ein nach ISO 50001 zertifiziertes Energiemanagementsystem verfügen.

Das Energieaudit kann nämlich sehr gut als Eingangsgröße in ein Energiemanagementsystem (EnMS) einfließen. Die Erhebungen, Analysen und Ergebnisse aus einem Energieaudit sind wertvoll. Sie können bei der Einführung eines EnMS zum Beispiel für die energetische Bewertung, die Erarbeitung eines Messkonzeptes oder den Nachweis der Verbesserung der energiebezogenen Leistung genutzt werden.

ISO 50001:2018 – die nachhaltige Managementlösung

DIN EN ISO 50001 legt Anforderungen für die Einführung, Umsetzung und Verbesserung eines Energiemanagementsystems fest. Mithilfe des systematischen Managementansatzes wird Ihrem Unternehmen die Möglichkeit gegeben, eine fortlaufende Verbesserung der Energieeffizienz und des Energiemanagementsystems zu verfolgen.

Die international anerkannte Norm gilt für jede Organisation, unabhängig von Typ, Größe, Komplexität, geografischer Lage oder den angebotenen Produkten und Dienstleistungen. Anhang A enthält Leitlinien zur Verwendung dieses Dokuments. Anhang B enthält einen Vergleich der aktuellen Version zur Vorgängerversion.

DIN EN ISO 50001:2018-12 Energiemanagementsysteme – Anforderungen mit Anleitung zur Anwendung
Die Norm ist beim Beuth Verlag erhältlich.

ISO 50001 bietet überdies die ideale Grundlage, um die eigene Klimabilanz zu ermitteln und konsequent zu verbessern. So leisten Unternehmen einen positiven Beitrag für den Klimaschutz.

Als Energiemanagementnorm stellt DIN EN ISO 50001:2018 einen Pool von anspruchsvollen Anforderungen auf. Deren Umsetzung/Erfüllung ermöglicht jedoch die Erhöhung der Energieeffizienz, die Senkung des Energieverbrauchs und entsprechende Kosteneinsparungen. Fachtermini sind zum Beispiel:

  • energetische Ausgangsbasen (EnBs)
  • energetische Bewertung
  • energiebezogene Leistung
  • Energieleistungskennzahlen (EnPIs)
  • relevante Variablen und statische Faktoren

Welche Vorteile bietet ISO 50001?

Daraus ergeben sich zahlreiche Vorteile:

  • PDCA-Zyklus mit fortlaufender Verbesserung
  • gemeinsame Grundstruktur aller ISO-Managementsystemnormen (High Level Structure)
  • sehr gute Integration in ein bestehendes ISO-Managementsystem
  • Berücksichtigung interner und externer Themen mit Blick auf die energiebezogene Leistung
  • Prozessorientierung
  • Betrachtung von Risiken und Chancen
  • Hervorheben der Verantwortung und Beteiligung der obersten Leitung für das Energiemanagementsystem
  • Nutzung von steuerlichen Anreizsystemen möglich
  • Verbesserung des CO2-Fußabdrucks
  • Reduzierung der Kosten zum Beispiel für Energie oder CO2
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ISO 50001:2018 – Neuerungen im Energiemanagement

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Welche Verantwortung hat die Unternehmensleitung?

Der Schlüssel für die erfolgreiche Einführung eines EnMS liegt in der Verpflichtung der Unternehmensleitung – sie schafft die Rahmenbedingungen für eine unternehmensweite Akzeptanz und angemessene Umsetzung über alle Bereiche und Standorte hinweg. Denn es geht dabei vor allem um die

  • Unterstützung bei der Einführung von (energiebezogenen) Verbesserungsprojekten
  • Erhöhung der Effektivität des EnMS
  • Bereitstellung von Ressourcen, beispielsweise für effizientere Maschinen und Anlagen
  • sinnvolle Verteilung von Verantwortung, Rollen und Befugnissen etc.

Wie groß ist der Aufwand für einen Umstieg?

Der Umstieg auf ISO 50001 ist mit der Implementierung und Zertifizierung eines EnMS verbunden. Der Aufwand dafür hängt vor allem von der Komplexität der energetischen Situation, der Anzahl der Standorte und den allgemeinen Voraussetzungen des Unternehmens ab.

Hat man bereits ein Energieaudit nach DIN EN 16247-1 durchgeführt, ist eine gute Basis für den Umstieg auf ISO 50001 vorhanden. Wichtige Punkte wie die energetische Bewertung, die Bildung von Energieleistungskennzahlen oder Möglichkeiten zur Verbesserung der energiebezogenen Leistungen werden in weiten Teilen abgedeckt.

Existiert bereits ein zertifiziertes Managementsystem, beispielsweise nach ISO 9001 und/oder ISO 14001, wird der Umstieg nochmals vereinfacht. Aufgrund der ähnlichen Normstrukturen (High Level Structure, HLS) können zusätzliche Synergien genutzt werden.

Energiemanagement mit ISO 50001 kann einen Beitrag zu den Sustainable Development Goals der United Nations leisten.

Zugang zu bezahlbarer, verlässlicher, nachhaltiger und moderner Energie für alle, so lautet eines der Ziele der Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen. Wie kann ISO 50001 dazu beitragen?

Fazit: Energieaudit oder Managementsystem?

Für EDL-G-betroffene Unternehmen mit einfacher Energiestruktur und geringem Energieverbrauch reicht ein Energieaudit nach EN 16247-1 aus. Organisationen mit komplexerer Energiestruktur und/oder vielen Standorten sollten wegen des perspektivisch wesentlich höheren Nutzens einen Umstieg auf die ISO-Managementsystemnorm 50001 überdenken. Zertifizierte Unternehmen können durch die High Level Structure alle Vorteile bereits vorhandener Strukturen nutzen.

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Die DQS ist der älteste und erfahrenste Dienstleister für die Zertifizierung und Begutachtung von Managementsystemen und Prozessen in Deutschland. Nutzen Sie unsere weltweite Reputation für Ihren Erfolg. Wir erstellen international anerkannte Zertifikate auf der Grundlage akkreditierter Verfahren. An annähernd 100 Tagen im Jahr stellen wir uns allein in Deutschland den Überprüfungen und Witnessaudits durch die Deutsche Akkreditierungsstelle GmbH (DAkkS) und weiteren Systemgebern, zum Beispiel IATF, UNIFE und IAGQ.

Unsere branchenerfahrenen Auditoren auditieren stets unvoreingenommen, unabhängig und angemessen. Sie arbeiten auf der Basis international anerkannter Regeln wie beispielsweise ISO/IEC 17021, ISO/IEC 17065 und dem Leitfaden zur „Auditierung von Managementsystemen“ ISO 19011. Dabei beginnt unser Anspruch dort, wo Auditchecklisten enden.