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Übergangsfrist von ISO-Normen verlängert

Angesichts der Auswirkungen der Covid-19-Krise auf die Durchführung von Vor-Ort-Audits hat das IAF die Übergangsfristen für alle zuletzt überarbeiteten ISO-Managementsystemnormen um jeweils sechs Monate verlängert. Die veränderten Übergangsfristen betreffen u.a. die ISO-Normen ISO 45001:2018 für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit (SGA) und ISO 50001:2018 für Energiemanagement.
© iStock Übergangsfristen der ISO-Normen ISO 45001 und ISO 50001

Diese Information über die geänderten Übergangsfristen von ISO-Normen geht aus einer Antwort auf der FAQ-Seite des IAF (International Accreditation Forum) vom 3. April 2020 hervor (mit Update vom 11. April bezüglich der Anwendung von Remote-Audits). Die Maßnahme, Übergangsfristen im Zusammenhang mit der Überarbeitung der betroffenen ISO-Normen zu verlängern, ist vor allem dem Umstand geschuldet, dass eine reguläre Audittätigkeit vor Ort wegen der aktuellen Situation auf absehbare Zeit nicht oder nur stark reduziert möglich ist. Die Anforderung nach Einhaltung der bisher veröffentlichten Fristen wurde unter diesen Umständen offensichtlich als unangemessen angesehen.

Digital Quality Space 2020

Vortrag

Update zur Normrevision ISO 50001:2018
anlässlich der virtuellen Kongressmesse der DQS am 29.09.2020

Ihr Referent: Tyrone Adu Baffour, DQS

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Neue Übergangsfristen für ISO-Normen

1. Von BS OHSAS 18001 zu ISO 45001

Die ursprüngliche Regelung im Bereich SGA sah vor, dass alle Zertifikate nach BS OHSAS 18001 am 11. März 2021 ihre Gültigkeit verlieren und der Übergang auf ISO 45001 abgeschlossen sein muss. Anmerkung: Die DAkkS hatte diesen Termin zwischenzeitlich um drei Wochen auf den 31. März 2021 verschoben.

Das neue Ablaufdatum der alten BS-OHSAS-Zertifikate wurde nun auf den 30. September 2021 gelegt.

Ebenfalls neu ist die Deadline, die angibt, bis wann SGA-Managementsysteme noch gegen BS OHSAS 18001 auditiert werden können. Dieser Zeitpunkt wurde vom 11. März 2020 auf den 30. September 2020 verschoben.

2. Von ISO 50001:2011 zu ISO 50001:2018

Für die Energiemanagementnorm ISO 50001 war als Deadline der Zertifikate nach der alten Version von 2011 der 20. August 2021 vorgesehen.

Das neue Ablaufdatum der alten ISO 50001-Zertifikate fällt nun auf den 20. Februar 2022.

Die Frist, bis zu der noch gegen diese alte Version auditiert werden durfte, ist bereits am 20. Februar 2020 abgelaufen. Diese Frist wurde auch nicht nachträglich verlängert. Seit diesem Zeitpunkt sind nur noch Audits gemäß der neuen Version, ISO 50001:2018, möglich.

ISO 45001 – Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit

Moderne Managementsysteme für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit (SGA) haben eine Reihe von Aufgaben zu erfüllen. Neben der Verbesserung des Arbeits- und Gesundheitsschutzes, und jetzt mit ISO 45001 auch ein Stück weit des betrieblichen Gesundheitswesens, steht besonders auch die in manchen Ländern gesetzlich vorgeschriebene Konsultation und Beteiligung der Beschäftigten und das Beachten weiterer Arbeitnehmerrechte im Vordergrund. Auch ISO 45001 ist von der Verlängerung der Übergangsfrist von ISO-Normen berührt, hier bezogen auf die Gültigkeit von Zertifikaten nach BS OHSAS 18001.

Welche Gründe waren für die Revision ausschlaggebend?

Tatsächlich ist der Begriff „Revision“ in diesem Fall nicht ganz treffend, denn ISO 45001 ist die erste ISO-Norm, die Anforderungen an ein SGA-Managementsystem stellt; insofern handelt es sich eher um die Neuentwicklung einer eigenständigen Norm. Gleichzeitig dienten jedoch viele der Anforderungen von BS OHSAS 18001, der bis zur Veröffentlichung von ISO 45001 weltweit führenden Arbeitsschutznorm, der ISO-Norm als inhaltliche Basis oder wurden sogar übernommen.

Integration von SGA in bestehendes Managementsystem

Als wesentlicher Grund für die Entwicklung von ISO 45001 gilt die signifikant verbesserte Möglichkeit der Einbettung des Arbeits- und Gesundheitsschutzes in ein bestehendes, auf ISO-Normen basierendes integriertes Managementsystem. Die gemeinsame Grundstruktur aller neuen ISO-Managementsystemnormen, die sog. High Level Structure (HLS), ist hier mit ihren identischen Textbausteinen und Grundbegriffen, die je nach Normgebiet fachspezifisch ergänzt werden, der entscheidende Faktor.

Unterschiede zwischen ISO 45001 und BS OHSAS 18001

ISO 45001BS OHSAS 18001
prozessorientiertverfahrensorientiert
betrachtet sowohl Risiken als auch Chancenbetrachtet lediglich Risiken
berücksichtigt interessierte Parteienberücksichtigt keine interessierte Parteien
vollumfänglich integrierbar in bestehende Managementsysteme (HLS)nicht kompatibel mit der HLS

Strategisch grundlegend neu ist: ISO 45001 konzentriert sich auf die Interaktion eines Unternehmens mit seinem Geschäftsumfeld, während BS OHSAS 18001 noch unmittelbar und in gewisser Weise isoliert auf den Umgang mit Gefahren im Bereich SGA fokussiert.

Das sind Pfeiler, die seit Jahren Regelwerke wie ISO 9001 (Qualität), ISO 14001 (Umwelt), ISO 27001 (Informationssicherheit) und mit der Revision 2018 auch ISO 50001 (Energie) erfolgreich tragen.

Rechtssicherheit als wesentlicher Nutzen

Die Rechtslage ist mit Blick auf SGA in Deutschland vergleichsweise streng, sie übertrifft damit einige der neuen Normanforderungen teils deutlich. So gesehen kann ein wesentlicher Nutzen von ISO 45001 vor allem im Zusammenspiel mit der Integration des Arbeitsschutzes in das bestehende Managementsystem durchaus in der spürbaren Verbesserung der Rechtssicherheit liegen, im Sinne von: Halten wir eigentlich alle SGA-Vorschriften vollumfänglich ein und sind damit im Zweifel auf der sicheren Seite?

Webinaraufzeichnung DQS

Webinaraufzeichnung

ISO 45001:2018 – Neuerungen im Arbeits- und Gesundheitsschutzmanagement

  • Was sind die neuen Anforderungen der Norm?
  • Welche wesentlichen Unterschiede bestehen zur BS OHSAS 18001
  • Was sind die entscheidenden Aspekte und Vorteile der Norm?
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Energiemanagement – mit ISO 50001 Ressourcen sparen

ISO 50001 ist eine Energiemanagementnorm, die im Jahr 2011 erstmals herausgegeben wurde, um Unternehmen zur Implementierung eines Energiemanagementsystems (EnMS) einen geeigneten Rahmen an die Hand zu geben, der zudem dessen fortlaufende Verbesserung sicherstellt. Die Absicht dahinter: Das EnMS soll das Aufstellen von Energieplänen, das Setzen von Energie-Zielen, die Schaffung transparenter Energieströme und damit die Steigerung der Energieeffizienz ermöglichen, die gewünschten Folgen:

  • Einsparung von Kosten
  • Schonung von Ressourcen und Umwelt
  • ggf. Senkung von Steuern
  • gesteigerte Rechtssicherheit

Dieses Kalkül ist mit der ersten Version von 2011 bereits gut aufgegangen. ISO 50001 hat sich im Lauf der Jahre zu einer sehr erfolgreichen Managementsystemnorm gemausert – der ISO-Survey verzeichnet für das Jahr 2018 weltweit über 18.000 gültige Zertifikate, die ca. 46.700 Standorte umfassen. Auch ISO 50001 ist von der Verlängerung der Übergangsfrist von ISO-Normen berührt.

Revision bringt neue Struktur und Anforderungen

Mit der Revision von 2018 wurde die Norm auf die gemeinsame Grundstruktur (HLS) moderner Managementsystemnormen umgestellt und mit einer Reihe neuer Anforderungen versehen. Im Mittelpunkt standen außerdem die Konkretisierung bzw. Klarstellung bestehender Anforderungen und einzelner missverständlicher Formulierungen. Die revidierte ISO-Norm betrachtet ausdrücklich interne und externe Themen, die sich auf die energiebezogene Leistung bzw. das EnMS auswirken können.

Die Energiemanagementnorm ist prozessorientiert und risiken- bzw. chancenbasiert. Besonders hervorgehoben wird die Verantwortung der obersten Leitung für das EnMS, die Absicht dahinter:

  • Unterstützung bei der Einführung von energiebezogenen Verbesserungsprojekten
  • Erhöhung der Akzeptanz und der Effektivität des EnMS
  • Bereitstellung von Ressourcen z. B. für effizientere Maschinen/Anlagen
  • Verteilung von Rollen und Befugnissen etc.
Übergangsfristen ISO-Normen DQS Webinare

Webinaraufzeichnung

ISO 50001:2018 – Neuerungen im Energiemanagement

  • Was ist neu?
  • Wann können wir umsteigen?
  • Wie läuft der Übergang mit der DQS ab?
  • Warum benötigen wir eine Bereitschaftsbewertung?
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Fazit: Neue Übergangsfristen für ISO-Normen

Die Übergangsfristen der beiden ISO-Normen für ein Energie- (ISO 50001) und SGA-Managementsystem (BS OHSAS 18001/ISO 45001) wurden aufgrund der aktuellen Situation durch das IAF um sechs Monate verlängert. Die Maßnahme wurde notwendig, da die reguläre Audittätigkeit vor Ort aufgrund der Covid 19-Krise auf absehbare Zeit nicht oder nur stark eingeschränkt möglich ist.

  1. Neue Übergangsfrist für ISO-Norm 45001:2018: Am 30. September 2021 wird ISO 45001 den seit über 20 Jahren für Arbeitsschutzmanagement relevanten britischen Standard OHSAS 18001 ablösen.
  2. Neue Übergangsfrist für ISO-Norm 50001:2018: Am 20. Februar 2022 endet die Deadline für die alte Normversion aus dem Jahr 2011.

Natürlich können Sie Ihre bestehenden Zertifikate innerhalb der offiziellen Übergangsfristen aufrechterhalten. Empfehlenswert ist allerdings ein frühzeitiger Übergang, um von den Vorteilen der revidierten Managementsysteme profitieren zu können.

Die DQS – Ihr Zertifizierer

Die DQS ist sowohl für ISO 45001 als auch für ISO 50001 von der DAkkS akkreditiert. Der Übergang erfolgt in einem zweistufigen Verfahren: Im Vorfeld erfolgt eine Bereitschaftsbewertung, danach folgt das eigentliche Zertifizierungsaudit vor Ort (Stufe 2-Audit).

Im Vorfeld einer Zertifizierung kann auch ein vorgeschaltetes Delta-Audit als erste Leistungsbewertung dienen. So erkennen Sie Stärken und Verbesserungspotenzial und sind vor Überraschungen im Zertifizierungsaudit geschützt. Delta-Audits können jederzeit und unabhängig von regulär geplanten Audits durchgeführt werden.

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